Abo-Commerce – Schnittstelle zu einem nachhaltigen und verantwortungsbewussten Konsum?

Publiziert: 1 März 2018

Responsible Commerce

Verbraucher haben 2016 deutlich weniger konsumiert – eine Folge gestiegenen Misstrauens gegenüber Unternehmen im Zuge der Finanzkrise. Laut einer Studie von Ethicity über verantwortungsbewussten Konsum, ist das Vertrauen gegenüber großen Unternehmen auf 26% gesunken – 2004 lag der Wert noch bei 57%.

Gesellschaftliche Probleme, Umweltbewusstsein, Lebensqualität und soziales Wohlergehen haben erhebliche Folge auf unser Konsumverhalten. Verbraucher wollen ihre Ausgaben besser im Griff haben und häufen weniger materieller Güter an. Anstatt viele Dinge zu besitzen, rückt die ethische Nutzung von Produkten und Dienstleistungen verstärkt in den Vordergrund. Die Veränderung der Konsumgewohnheiten könnte zur Bildung einer verantwortungsbewussten und transparenten Gesellschaft beitragen.

Für diese neue Konsumkultur und ein geändertes Kaufverhalten bieten Abo-Modelle viele Vorteile. Der Begriff Abonnement stand bisher lediglich für die regelmäßige Abrechnung einer Dienstleistung. Jedoch umfasst der Begriff weitaus mehr. Abo-Commerce könnte das ideale Geschäftsmodell der Zukunft werden, weil es viele Vorteile für beide Vertragspartner bzw. Kunden und Unternehmen vereint. Das Abo-Modell stärkt die Kundenbeziehungen und -bindung, dies spielt aktuell eine zentrale Rolle in der Geschäftsstrategie. Studien über die Subscription Economy legen nahe, dass dieser Trend immer mehr Gewicht für europäische Konsumenten gewinnt.

Eine Win-win Situation

Konsum per Abonnement ist bei europäischen Konsumenten sehr beliebt. 85% der Europäer nutzen täglich mindestens ein Abo. Die Statistik ist das Ergebnisse einer repräsentativen Studie von Elabe*, die in 7 europäische Länder durchgeführt wurde. Dieses Konsumverhalten ist mit dem E-Commerce sehr gewachsen. Die Verbraucher schätzen die Einfachheit und Flexibilität des Budget-Managements in diesem Model. Doch nicht nur für Kunden, auch für Händler bietet das Abo-Modelle Vorteile: maximale Kundentreue, starke Kundenbeziehung, bessere Liquiditätssteuerung durch wiederkehrende Zahlungen. Das Abo-Modell hat daher das Potential, eine Win-Win Situation zu sein. Allerdings müssen Unternehmen darauf achten, den Erwartungen der Konsumenten, die sich verstärkt auf ethische Werte besinnen, gerecht zu werden.

Eine Rolle im nachhaltigen Verbrauch

Konsum entwickelt und verändert sich grundlegend und global auf Basis der Verbraucher und deren Ansprüchen und Erwartungen. Die Finanzkrise und die Umweltzerstörung haben aus Konsumentensicht unsere Gesellschaft negativ beeinflusst. Laut einer Studie von AlphaWise/Morgan aus dem Jahr 2016 steigt die Bedeutung von Faktoren wie Gesundheit, Umweltschutz, soziale Gerechtigkeit und ethische Lebensweise in der Gesellschaft an: 51% der befragten Käufer finden bei der Auswahl von Produkten ethische Werte wichtig oder sehr wichtig, diese rangieren noch vor Sonderangeboten und Schnäppchen.

In diesem Zusammenhang sind neue Bewertungskriterien im Verbraucherverhalten aufgetaucht, angefangen beim täglichen Einkauf von Lebensmitteln und verstärkt auch andere Lebensbereichen wie Bekleidung oder Drogerieartikel betreffend. Dabei geht es nicht nur um Geschmackssache oder Moden, sondern Kunden achten zunehmend auf die Produktherkunft und Herstellungsmethoden. So wurden viele Bereiche der Wirtschaftsmodelle stark redefiniert.

In diesem Paradigmenwechsel kann die Subscription Economy eine zentrale Rolle spielen. Regelmäßig wiederkehrende Einkäufe statt kompulsivem Konsum können ein gutes Mittel sein, um das Verbraucherverhalten zu kontrollieren und zu steuern. Für Händler, die darauf achten, die Nachfragen der Konsumenten nach ethischen Produkten zu befriedigen, um Vertrauen zu gewinnen und eine starke Kundenbindung aufzubauen, könnte Abo-Commerce angesichts dieses Paradigmenwechsels ein Beschleuniger werden.

Angepasste Geschäftsmodelle

Abo-Modelle können in verschiedenen Wegen umgesetzt werden, je nach Unternehmenstyp. Einige innovative Unternehmen haben es bereits geschafft, auf die Veränderung des Kaufverhaltens und Kundenerwartungen zu reagieren und zeigen den möglichen Weg.

Lokéo zum Beispiel bietet die Möglichkeit, Elektro-Geräte & Multimedia für Haushalt, Kommunikation und Unterhaltung in Kurz- oder Langzeitabos zu mieten statt zu kaufen. Das komplette Geschäftsmodell basiert nicht nur auf regelmäßigen Ratenzahlungen, sondern auch auf verstärkte Erneuerung von High-Tech-Produkten – energiesparende Technologien und Geräte mit neuen Funktionen werden so für Verbraucher schneller nutzbar als im klassischen Kauf-Modell mit in der Regel deutlich längeren Ersatzzyklen.
Das deutsche Unternehmen BioBox hat sich auf nachhaltige Produkte positioniert, und bietet ausschließlich hochqualitative Bio-und Naturprodukte, die die Gesundheit fördern und die Umwelt respektieren.
Das spanische Familienunternehmen Naranjas del Carmen fördert das “Crowdfarming”, ein spannendes Konzept, welches eine direkte Verbindung zwischen dem Produzent und dem Endverbraucher herstellt. Konsumenten können einen Orangenbaum “adoptieren”, erhalten die Ernte geliefert und können so in der Saison leckere frische Orangen genießen. Direktvermarktung und Respekt der natürlichen Wirtschaftszyklen entspricht den ethischen Erwartungen – statt Lieferketten und Lagerhaltung, Überproduktion und Lebensmittelvergeudung. Mit dem Pay-as-you-go-Konzept bezahlt der Kunde in erster Linie für das konsumierte Produkt und nicht für Lagerhaltungskosten und Verderb.

Natürlich kann ein Abo-Commerce auch ohne ethische Richtlinie umgesetzt werden. Doch viele Unternehmen stehen heute vor der Herausforderung, sich an die Veränderungen in der Verbraucher-Mentalität – wachsendes Umwelt- und soziales Konsumbewusstsein – anzupassen. Aus diesem Grund reicht es nicht, lediglich abo-basierte Geschäftsmodelle aufzubauen. Abo-Commerce ist ein Engagement für Konsumenten und Händler. Auf einer Seite profitieren Unternehmen von wiederkehrenden Einnahmen und dauerhafter Kundenbindung, und auf der anderen Seite genießen Kunden Produkte und Dienstleistungen, die ihre ethischen Ansprüchen entsprechen. Ein nachhaltiges Engagement für beide Seiten ist genau das Versprechen, welches die Subscription Economy erfüllt.

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