Payment: Onlinehändler & länderspezifische Unterschiede

Publiziert: 4 September 2017

Subscription consumption

„Onlinehändler reagieren zu selten auf länderspezifische Unterschiede beim Payment“, 

Ralf Linden, Director of Sales & Marketing der UNIVERSUM Group im Interview

 

Für Onlinehändler ist Payment ein spannendes Thema: Einerseits wird durch ein größeres Angebot an Zahlungsarten kaum ein neuer Kunde gewonnen. Gleichzeitig verringert ein unausgewogener Paymentmix die Conversion Rate – Kunden, die ihren Einkauf eigentlich schon abgeschlossen haben, wechseln den Onlineshop, wenn ihre präferierte Zahlungsart nicht angeboten wird.

Wir haben mit dem Director of Sales & Marketing der UNIVERSUM Group, Ralf Linden, über aktuelle Online Payment-Trends gesprochen. Das Frankfurter Unternehmen ist auf Forderungsmanagement, Liquiditäts- und Risikomanagement spezialisiert und bietet abgesicherte White Label Payment-Lösungen vor allem für den E-Commerce an. Im Interview erklärt der Payment-Experte, weshalb Händler den Rechnungskauf im Portfolio haben sollten und zeigt, wie Shops nicht nur in Deutschland, sondern auch in Österreich und der Schweiz erfolgreich sein können.

Herr Linden, vielen Dank, dass Sie die Zeit für ein Gespräch gefunden haben. Die UNIVERSUM Group hat im Frühjahr die aktuelle ECC Payment-Studie des renommierten ifh Köln unterstützt. Was sind – kurz zusammengefasst – die zentralen Erkenntnisse?

Bei der Beliebtheit der Zahlungsarten liegt der Kauf auf Rechnung in der gesamten D-A-CH-region immer noch unangefochten und mit weitem Abstand auf Platz 1. Je nach Land folgen darauf entweder PayPal oder die Kreditkarte. Onlinehändler reagieren darauf – und bieten seit Jahren zum ersten Mal wieder mehr Zahlungsarten, nämlich im Schnitt 6,1 pro Shop. Am häufigsten wird derzeit übrigens der abgesicherte Kauf auf Rechnung zum Paymentmix hinzugefügt.

Und drittens ist es interessant, wie sich die Zahlungsgewohnheiten in Deutschland, Österreich und der Schweiz unterscheiden – und dass nur wenige Onlinehändler darauf reagieren.

Zunächst zum Rechnungskauf: Weshalb ist der bei Kunden so beliebt?

Im Rahmen der ECC Payment Studie wurden die Kriterien untersucht, die für Kunden bei der Auswahl einer Zahlungsart besonders wichtig sind. An erster Stelle liegt hier die Sicherheit der Zahlung, dicht gefolgt von der kostenlosen Nutzung, einer einfachen und bequemen Bedienung, einer unkomplizierten Rückerstattungsmöglichkeit und dem Käuferschutz. All diese Kriterien bedient der Rechnungskauf optimal – abgesehen von der einfachen Rückerstattungsmöglichkeit belegt der Kauf auf Rechnung überall den ersten Platz.

Wie können Onlineshops die Beliebtheit der Zahlungsart optimal nutzen?

Das hängt ganz von der Größe und vom Angebot des Onlineshops ab. Die erste Entscheidung, die jeder Onlinehändler treffen muss, ist, ob man den Rechnungskauf selbst anbieten oder ihn per Dienstleister integrieren und absichern möchte. Denn man darf ja nicht vergessen: Der Kauf auf Rechnung hat unter allen Zahlungsarten auch das höchste Ausfall- und Betrugsrisiko. Dieses steigt natürlich, wenn Waren aus risikoreichen Produktkategorien wie beispielsweise Schmuck oder Technik verkauft werden.

Wie lässt sich dieses Risiko kontrollieren?

Wir bieten mit unserer Lösung FlexiPay® eine Absicherung per Zahlungsgarantie oder Factoring an: Jede positiv gescorte und nicht bezahlte Rechnung wird zu 100 Prozent des Wertes angekauft, entweder nach dem Mahnprozess oder, beim Factoring, direkt nach der Entstehung. So lässt sich nicht nur das Risiko kontrollieren, sondern auch der Zeitpunkt der Auszahlung beliebig festlegen. Wir bieten FlexiPay® dabei als White Label Lösung an. den Vorteil, dass der Endkunde gar nicht bemerkt, dass ein Dienstleister zwischengeschaltet ist. Die Kundenbindung bleibt komplett beim Onlinehändler, und es treten weniger Zahlungsverzögerungen auf.

Herr Linden, Sie sagten bereits, dass sich Österreicher und Schweizer in ihren Zahlungsgewohnheiten von den Deutschen unterscheiden. Inwiefern?

Zwar ist der Kauf auf Rechnung überall unangefochtene Nummer eins bei den Verbrauchern. Während sich aber PayPal in Deutschland einer großen Beliebtheit erfreut, kaufen Schweizer und Österreicher lieber per Kreditkarte ein.

Das hat historische Gründe: Das (noch) eingeschränkte einheimische Shopangebot sorgt dafür, dass viele Österreicher und Schweizer auch im Ausland einkaufen. Dabei ist Kreditkartennutzung oft Pflicht, weil viele Risikoprüfungen einen Kauf auf Rechnung im Ausland nicht zulassen.

Wie reagieren Onlineshops auf diese Situation?

Überraschenderweise oft gar nicht. So werden einerseits in beiden Alpenrepubliken wesentlich weniger Zahlungsarten angeboten als in Deutschland. Diese Beschränkung ist – insbesondere in Bezug auf die Vorlieben der Kunden – fahrlässig. Der beliebte Rechnungskauf wird in Österreich von gerade einmal 58,9 Prozent, in der Schweiz immerhin von 69,5 Prozent der Top 100-Shops angeboten. Diese Praxis kann Kunden kosten und die Conversion Rate belasten.

Zudem bieten knapp 70 Prozent der deutschen Onlinehändler, die in Österreich und der Schweiz aktiv sind, überall dieselben Zahlungsarten an. Auch das ist fahrlässig, sind die Zahlungsgewohnheiten in den drei Ländern doch höchst unterschiedlich.

Netflix, Amazon Prime, Spotify: Seit einigen Jahren werden Abolösungen im E-Commerce immer populärer. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?

Abonnements bieten den Anbietern etliche Vorteile: Sie erhalten Planungssicherheit und können Kunden langfristig binden, ohne sie immer wieder kontaktieren zu müssen. Nicht umsonst werden Abonnements ja nicht nur bei immateriellen Gütern wie Musik oder Filmen angeboten, sondern zunehmend auch bei Verbrauchsgütern, die immer wieder benötigt werden, wie beispielsweise Socken,  Rasierklingen oder, beim Carsharing, ein Auto. Für den Kunden, der die Leistung ja immer wieder nutzen möchte, ist ein Abo vor allem bequem: Er muss sich nicht um Details wie Bestellung oder  Bezahlung kümmern und erhält das gewünschte Produkt ohne Aufwand.

Welche Zahlungsart ist für Abonnements besonders prädestiniert?

Die Standard-Zahlungsart bei wiederkehrenden Zahlungen ist für mich die Lastschrift. Sie bietet dem Kunden den Vorteil der Kostenkontrolle per Kontoauszug oder Onlinebanking. Der Anbieter hat den Vorteil, dass erhöhte Absprungraten vermieden werden, wie sie beispielsweise durch abgelaufene Kreditkarten entstehen können.

 

Ralf_Linden_Universum

Herr Linden, vielen Dank für das Interview.

Wir sehen uns auf der dmexco 2017 in Köln!

 
Als Director of Sales & Marketing ist Ralf Linden leitender Mitarbeiter und Prokurist der UNIVERSUM Group, ein Unternehmen, das sich auf Inkassomanagement, Liquiditätsmanagement und Zahlungsgarantien im E-Commerce spezialisiert hat.

 

3 Kriterien für Ihre Online Payment-Strategie

Tags :

DACH onlinehändler payment